Listen to your heart: Tschüss, Roxette.

Ich muss an dieser Stelle ein bisschen ausholen…

1992 hatte ich meinen ersten Musikcrush. Damals bekam ich von meinen Eltern eine MC geschenkt – „Tourism“ von Roxette, es machte sofort „klick“ und fortan schlug mein Herz für Marie und Per. Meine Eltern hatten damals ja keine Ahnung, was sie da in ihrer kleinen Tochter auslösten. Die Begeisterung für Musik war zwar vorher schon da, aber anders. Ab sofort tanzte ich durch mein Zimmer und sang lauthals die englischen Songs mit, verstand aber leider kein Wort. Mein Walkman (bin ich jetzt alt?!^^), wahlweise Discman, wurde mit Schwedenpop gefüttert und auch in der Schule konnte ich endlich mitreden, wenn es um Lieblingsmusik ging. Überall Roxette. In der Bravo, an meiner Wand, Artikel in Ordnern fein säuberlich abgeheftet. Und der Wunsch die Musiker live zu erleben stieg. Das aber sollte viele Jahre dauern. Entweder war ich noch zu jung, hatte kein Geld oder verpasste später den Ticketvorverkauf. Es mussten also CDs herhalten. „Crash!Boom!Bang! zum Beispiel. Ich war damals aber auch verrückt nach dem wunderbaren Song „June Afternoon“:

Zeitsprung: 2001 war es dann endlich soweit. Roxette in der Dortmunder Westfalenhalle! Ich war extra früh angereist, stand weit vorne und konnte mein Glück kaum fassen. Ganz in der Nähe des Künstler-Stegs, über den Marie und Per das Publikum erreichten. So nah, quasi zum Anfassen nah. Dieser Abend ließ mein kleines Fanherz springen. Zwei Stunden lang. Dann war alles vorbei und ich ein sehr glücklicher Mensch, dem nach langer Zeit ein langgehegter Wunsch erfüllt wurde. Und mein Ziel war natürlich ein weiteres Konzert mitzuerleben. Und zwar ganz bald.

Zeitsprung: 2002. Roxette geben ihre Trennung bekannt. Bei Marie Fredriksson wurde ein Gehirntumor diagnostiziert. Die Band wird auf Eis gelegt und niemand weiss, ob sie jemals wieder gemeinsam Musik machen können und werden. Nichtmals sie selbst. Viel wichtiger ist die Genesung der Sängerin, die ich so sehr verehrte. Was zunächst schockierte, schlug schnell in Verständnis um – die Sorge aber blieb.

Zeitsprung: 2009. Night of the proms. Sie sind zurück! Roxette geben ihr Comeback bekannt. Etwas mit dem kaum jemand gerechnet hatte. Per Gessle war bis dato mit seiner Band Gyllene Tider unterwegs und infolge der schweren Erkrankung Maries hatte ich irgendwie damit abgeschlossen sie als Duo wieder zu sehen. Umso größer war die Freude als zehn Jahre nach „Room Service“ (2001) erst „Travelling“ (2011) und danach „Charm School“ (2012) erschienen. Auch wenn beide Alben nicht mehr an die alten ganz großen Erfolge anknüpfen konnten, so war ich doch begeistert und erkannte die „alten“ Roxette wieder. Sie hatten zwar das Rad nicht neu erfunden, uns Fans aber nicht im Stich gelassen. Das zählte – und genau das erwartete man von den grundsympathischen Schweden.

Klar, dass sich hinter der „Firma“ Roxette ein gut gemanagtes Unternehmen verbirgte, das in den letzten Jahren sehr, sehr viel Geld verdient hat, trotzdem nahm man den beiden Hauptprotagonisten den Spass an der Musik ab. Die Freude auf Tour zu gehen, die Fans zu treffen war absolut ehrlich. Andererseits war es auch ein Zeichen, dass es Marie besser ging. Man sah ihr zwar an, dass die Jahre zuvor sehr viel Kraft gekostet hatten – doch trotz des gesundheitlichen Handicaps spielten Roxette ausverkaufte Welttourneen und schienen sich nicht zur Ruhe setzen zu wollen. Marie selbst versicherte damals in einem Interview, dass sie es liebt mit den Fans zu feiern und auf der Bühne zu stehen.

Zeitsprung: 2016. Daran hat sich nichts geändert. In diesem Jahr gibt es Roxette seit 30 Jahren. Und mit der Ankündigung ihrer „30th Anniversary Tour“ und eines neuen Albums war klar, dass sie noch viel vorhatten. Immer wieder aber vermittelten Fotos und Videos im Internet den Eindruck, dass Marie nicht fit genug für all die Strapazen war. Und es kam wie es kommen musste: Im April diesen Jahres sagt die Band ihre Jubiläums-Welttour ab. Marie hört auf den Rat ihrer Ärzte. Ein Schock. Mit dem Gedanken an 2002. Verbunden mit der Hoffnung, dass es nur eine weitere lange Pause sein könnte. Aber diesmal soll es endgültig sein. Marie und Per werden als Roxette keine Bühnen mehr bespielen. Es ist vorbei. Das neue Album „Good Karma“ erschien im Juni und ich rechne damit, dass es das letzte sein wird. Ein Fan respektiert das und freut sich weiterhin über die Musik, abschließen mit den guten musikalischen Zeiten und den vielen Erinnerungen muss man aber trotzdem. Und damit, dass das Konzert 2001 das einzige und letzte sein wird.

Über „Good Karma“ freue ich mich. Roxette sind um einiges leiser geworden. Maries Stimme klingt definitiv kraftloser als früher, ist aber trotzdem unverkennbar.

Roxette waren lange immer da und haben viele von uns begleitet. Aber jetzt ist es vorbei.
Es ist ein bisschen wie Abschied nehmen von meiner Jugend.

„It’s a bright June afternoon, it never gets dark.“

Song des Tages: The Strumbellas – Spirits

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