{smell smoke, perfume, whisky and wine} Sunset Sons – Die Kantine, Köln (29.04.2016)

Dieses Konzert hatte ich so sehr herbeigesehnt!
Ich sah die Jungs zum ersten Mal im August 2015 auf dem Haldern Pop und war sofort schwer begeistert. Man muss dazu sagen, dass es damals im Spiegelzelt zum Bersten voll war und wir uns deshalb draußen vor der Leinwand niederließen. Es war ein lauer Sommerabend, wir saßen auf Decken zwischen hunderten anderer Besucher und die Stimmung war gelöst. Stücke der Sunset Sons in Verbindung mit Sonnenuntergängen, Sommer und Natur, das passte einfach. Hinzu kam, dass man den Sunset Sons nicht nur gerne zuHÖRTe. 🙂 Alles an diesem Abend war so ziemlich perfekt – ich war infiziert, deckte mich mit den bisher erschienenen EPs ein und konnte mich an Weihnachten über das langersehnte Ticket zur Tour freuen.

Und jetzt war es endlich soweit: Mein zweites Mal Sunset Sons – kurz nach dem Erscheinen ihres Debütalbums „Very Rarely Say Die“. In der Kantine in Köln versammeln sich also einige Horden Mädels (und ein paar Männer ;)) und warten auf die britisch-australische Rockband. „Rockband“ war bis dato allerdings nicht unbedingt der Begriff, mit dem ich die Sunset Sons umschrieben hätte, vielmehr war es der Vergleich mit den Kings Of Leon. Dieser Abend sollte mich jedoch eines besseren belehren. Nach den ersten wenigen Songs muss man nämlich anerkennen, dass sich hinter der „Surferboy-Fassade“ einiges an Rock’n’Roll verbirgt. Ich bin positiv überrascht von dem, was sich in der kleinen Halle abspielt. Rory Williams und seine Männer erinnern jetzt nur noch entfernt und höchstens an die frühen Kings Of Leon. Und sie spielen all die Titel, die ich schon im letzten Jahr so gefeiert habe. Da wären zum Beispiel „Medicine“, „Remember“ und „She Wants“. Alles eingängige Songs, die live in einer Halle um einiges rockiger rüberkommen als unter freiem Himmel. Die Sunset Sons legen sich aber auch mächtig ins Zeug, Sänger Rory Williams verlässt zwischendurch die Bühne und rockt im Publikum weiter. Nun wird mir auch klar, was die Band mit ihrer Aussage in einem Interview mit dem Londoner „Evening Standard“ gemeint hat:

„We surf, but we’re no cheesy surfer band“.

Also keine schnulzige oder trashige 08/15-Band, sondern offenbar handelt es sich hierbei wirklich um Rock, ganz klassisch gitarren- und schlagzeuglastig – mir gefällt’s sehr gut. Und auch der Rest des Publikums scheint begeistert zu sein. Zu sehen an der offensichtlichen Zielgruppe. 16 bis 20jährigen Mädels. Und ich. Das ist okay. Ich fühle mich trotzdem wohl. 🙂 Trotz Begeisterung vieler habe ich den Eindruck, dass ruhig mehr Fans tanzen könnten. Aber in der Kantine ist es sehr voll. Und sehr warm.

Insgesamt verläuft das Konzert aber weiter dynamisch, ein Song folgt auf den anderen. Keine großen Reden, was ich bei Konzerten sehr schätze. Auch das hymnenhafte „Somewhere Maybe“ kommt lauter daher als ich es kenne. Höhepunkt der Show ist definitiv die Zugabe mit „On The Road“, ein Song der wohl als Soundtrack zur Tour zu verstehen ist. Die Band gibt nochmal alles und veranstaltet ein große Party auf der Bühne, die sie im Anschluss verschwitzt mit einer Verbeugung beenden.

In jedem Fall haben die Sunset Sons mit diesem Auftritt nochmal gewonnen. Ich hoffe und gehe fest davon aus, dass wir noch einiges von ihnen hören werden. Chapeau!


Song des Tages:
Little May – Boardwalks

 

{I don’t wanna survive, I want a wonderful life} Brian Fallon – LMH, Köln (19.04.2016)

pf_1461792415

Ein bisschen gealtert ist er, der gute Herr Fallon. Kein Wunder, er ist ein fleissiger Musiker, der sich in den letzten Jahren kaum Pausen gegönnt hat. Alben und Touren mit seiner Band The Gaslight Anthem, Nebenprojekte wie die Horrible Crowes und The Revival Tour und jetzt sein erstes Soloalbum „Painkillers“. Solange er also stimmlich nicht nachlässt, schaue und höre ich ihm an diesem Abend mehr als gerne zu. Er trägt ein Karohemd und ist, wie so oft, gut drauf. Der Mann hat einfach Bock zu spielen. Bei meinem letzten The Gaslight Anthem-Konzert vor einigen Jahren war ich schon fasziniert von der Spielfreude des Amerikaners. Brian Fallon strahlt beim Singen wie ein Honigkuchenpferd und freut sich über seine Fans. Selten sowas gesehen.

Umso trauriger sind die Resonanzen des Publikums. Kein lautes Jubeln als der Vollblutmusiker die Bühne betritt. Er scheint leicht irritiert zu sein, bleibt aber durchaus charmant. Leider musste ich das schon zu oft beobachten. Kölner Konzertpublikum ist… schwierig. Es gibt also leisen Applaus als Mr. Fallon mit „Nobody Wins“ startet und ohne große Show mit „Rosemary“, „Among Other Foolish Things“ und dem Horrible-Crowes-Song „Sugar“ fortfährt. Ich liebe seine unverkennbare Stimme! Und so langsam wissen wohl auch die Menschen um mich herum, warum sie eigentlich hier sind. Die Stimmung lockert auf als er beginnt von seiner zwickenden „british underwear“ zu erzählen und sich zwanglos mit den Fans vor der Bühne unterhält. Dieser Typ erinnert nicht nur musikalisch an Bruce Springsteen, er ist auch ebenso sympathisch. Wenn nicht sogar noch sympathischer! 🙂

Auch die Setlist gefällt. Eine gelungene Mischung aus dem „Painkillers“-Album und einigen Stücken der Horrible Crowes. Ein kleines Highlight ist Fallons neu arrangiertes Cover „Teenage Dream“ von Katy Perry. Sehr gefeiert habe ich zwei fantastische Stücke vom neuen Album. Und zwar das melancholische „Steve McQueen“ und „A Wonderful Life“.

Einen Wermutstropfen gab es aber dann doch noch:
Das Konzert wurde vom hübschen, gemütlichen Gloria in die unschöne Live Music Hall verlegt. Wirklich schade. So oft kaufte ich Tickets fürs Gloria und immer – bis auf ein einziges Mal! – wurde verlegt. Für Brian Fallon spielte das keine Rolle. Das Haus war voll. Hätte das Publikum insgesamt anders reagiert, wäre das Konzert eine absolut runde Sache gewesen. Ich würde immer wieder hingehen!


Song des Tages:
Brian Fallon – Smoke